So, nun ist die Demonstration des 1. FC Kleve also vorbei. Ich habe gerade den aktuellen Bericht dazu geschrieben, ein paar hübsche Fotos dazu gesetzt und vor allem die sehr gute Rede von Christian Nitsch abgetippt, die er mir freundlicherweise in die Hand gedrückt hat.

Also die Rede war gut - Nitsch gefällt mir als Frontmann sowieso immer besser. Vielleicht der beste SPD-Mann, den Kleve zurzeit so hat.

Christian Nitsch ist nämlich im Kreis-Vorstand der SPD und Sachkundiger Bürger in der Ratsfraktion in Kleve. Mit seiner Begeisterung für den FC Kleve konnte er die Genossen in der Fraktion aber wohl noch nicht so anstecken.

Was der Fraktionschef Alexander Frantz da so vor einer Woche im Hauptausschuss über den Verein gesagt hat, muss Nitsch sehr übel aufgestoßen sein, der ja als Zuhörer anwesend war. Da sagte der Fraktionschef zum Beispiel, dass die SPD schon immer gegen die Zuwendungen an den FC gewesen sei und sprach von Restrisiken, wenn Kleve dem Fußballverein nochmal hilft.

Also die SPD ist (genau wie die anderen Ratsfraktionen) gegen weitere Zahlungen an den FC Kleve. Zumindest war das bis jetzt der Stand der Dinge.

Nun hat sich aber die SPD-Kreisvorsitzende, Bundestagsabgeordnete und SPD-Bundesschatzmeisterin Dr. Barbara Hendricks auch mal zum FC Kleve geäußert. "Meine persönliche Meinung ist, dass die Stadt auf die Rückzahlung des Zuschusses zur Zeit verzichten sollte", sagte sie (Den ganzen Brief in Sachen FC Kleve kann man auf der Kurier-Website nachlesen).

Dieser Satz ist eine bemerkenswerte Aussage, weil jeder daraus lesen kann, was er will. Sie sagt ja nicht, dass der Rat auf sein Geld verzichten soll. Nur "zur Zeit" soll er es nicht zurückfordern. Und das ist natürlich ihre "persönliche Meinung" - sie sagt das also nicht als Bundestagsabgeordnete, Kreis-SPD-Chefin oder SPD-Bundesschatzmeisterin. Nur so, ganz privat wie "Du und ich". Im Gegensatz zu mir hat sie diese "persönliche Meinung" natürlich über ihr Büro verschicken lassen und nicht über ihr privates E-Mail-Konto.

Das ist aber auch eigentlich völlig egal. Barbara Hendricks ist auf jeden Fall irgendwie dafür, dass der FC Kleve überlebt und der Rat soll dabei helfen. Punkt. Aus.

Mich würde ja mal interessieren, was nun wiederum die Klever SPD-Ratskollegen, die doch sehr tief in der Materie stecken und den ganzen Sachverhalt sehr genau kennen, zu der "persönlichen Meinung" von Ihrer Bundestagsabgeordneten sagen.

Naja, morgen wissen wir alle mehr.

Hier aber schon mal mein Tipp für den Ablauf der morgigen Ratssitzung:

Erstmal müssen viele Stühle rangekarrt werden, weil so viele Besucher kommen. Ganz schöne Schlepperei.

Dann werden alle Fraktionen ihr Bedauern über die entstandene Situation äußern und sich auf so Formalitäten zurückziehen, wie wir sie schon gehört haben. Tenor: "Wir können nicht anders!", "Wir müssen den Bürgermeister und uns schützen!", "Sind ja alles Steuergelder" etc. Aber gleichzeitig wird kräftig Süßholz in Richtung FC Kleve geraspelt. Tenor: "Tolles Engagement!", "Wir sind beeindruckt über die Solidarität", "Wir sind so zerissen", "Ein Verein kann stolz auf solche Mitglieder und Unterstützer sein", "Wir sind grundsätzlich auch der Meinung, dass Fußball Teil der Kultur und Identität einer Stadt ist".

So, aber dann kommt es zum Schwur und der Rat wird mehrheitlich, vielleicht auch einstimmig dabei bleiden und auf der Rückzahlung beharren.

Aber damit die FC Kleve-Fans nicht gleich "auf die Barrikaden gehen", lässt Bürgermeister Theo Brauer durchblicken, dass man ja schon in konstruktiven Gesprächen mit der FC-Führung sei (Kurier-Leser wissen das längst und haben am Wochenende die Fotos dazu gesehen). Ob es aber eine Lösung geben wird und wie die aussehen könnte, das wären Dinge, die man jetzt nicht öffentlich diskutieren kann.

So stelle ich mir das morgen vor. Eine Wette würde ich darauf nicht abschließen. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass in Sachen FC Kleve alles möglich ist.

Wir sehen uns dann morgen im Rat. Wer pünktlich ist, bekommt auch mit Sicherheit einen Sitzplatz.

Olaf Plotke, 9. November 2010

Über die Pressekonferenz des 1. FC Kleve am Freitag ist viel geschrieben worden, auch im Kurier am Sonntag (siehe aktuelle Ausgabe oder PDF-Datei hier auf der Website). Neben der großen Solidarität der Fans hat mich übrigens Christian Nitsch total beeindruckt.

Man kennt ihn ja als Mitglied des Kreisvorstands der SPD, als Chef des Hauses Maternus und Betreuungszentrums Hasselt und durch sein Engagement für den Fußball in Warbeyen. Am Freitag war Nitsch in der Rolle des Moderators und FC-Vertreters zu sehen. Ich fand sein Auftreten extrem stark.

Das Bild, das die FC-Führung unter seiner klugen Moderation abgab, war das Bild eines Vorstands, der offen, ehrlich und transparent ist. Eine Führungsmannschaft, die niemandem was vorspielt, sondern aus echtem Engagement für einen Verein an die Öffentlichkeit und den Stadtrat appelliert.

Das Bild, das die Lokalpolitiker vor ein paar Tagen im Hauptausschuss von der FC-Führung gezeichnet haben, konnte man am Freitag in den Herren Verlage, Ernst, Hagen und Nitsch nicht wiederfinden.

Olaf Plotke, 8. November 2010

 

Vor einer Woche haben wir im Kurier am Sonntag die provokante Frage gestellt, ob Tiere eine Seele haben und in den Himmel kommen. Das ist eine Frage, die die Menschen bewegt, denn wir haben sehr viele Leserbriefe zu dem Thema erhalten. Einige werden in der kommenden Ausgabe  abgedruckt.

Fasziniert hat mich, dass es Leserbrief-Autoren gibt, die mit der Bibel beweisen, dass Tiere definitiv in den Himmel kommen und andere mit dem gleichen Buch das Gegenteil belegen. Eine Zeugin Jehova schreibt: "Tiere haben eine vom Schöpfer festgelegte Lebensdauer und sind nicht für ewiges Leben geschaffen."

Das mit der festgelegten Lebensdauer klingt irgendwie gemein. Ich tröste mich damit, dass die Zeugen Jehova bei der Auslegung der Bibel ja schon öfter legendär daneben lagen. So hatten sie den Weltuntergang bereits für 1914, 1925 und 1975 vorher gesagt. Das ist ja bekanntlich nicht passiert.

Obwohl der erfolgreichste Song in den amerikanischen Billboard-Charts 1975 "Love Will Keep Us Together" von Captain & Tennille war und "Fame" von David Bowie und John Lennon nur das siebterfolgreichste Lied des Jahres war. Schon fast ein Weltuntergang. John Lennon zog sich 1975 dann auch für 5 Jahre komplett aus dem Showgeschäft zurück und kümmerte sich fortan um die Erziehung seines Sohnes Sean. Als er dann 1980 endlich wieder eine Platte mit neuen Songs rausbrachte, ging für mich tatsächlich die Welt unter. Nicht wegen der Platte, sondern weil John Lennon kurz nach der Veröffentlichung von einem Irren in New York erschossen wurde.

John Lennon wäre vor wenigen Tagen 70 Jahre alt geworden.

Wenn es einen Himmel gibt, dann ist er mit Sicherheit dort. Gott ist bestimmt auch Beatles-Fan.

 

Olaf Plotke, 22. Oktober 2010

 

Die Stadt Kleve hat jetzt aber mal einen ganz sinnvollen Prospekt heraus gegeben, den sie allerdings selbst Flyer (Flieger) nennt. Auf alle Fälle geht es in dem Prospekt um das Baby-Schüttel-Syndrom. Offensichtlich gibt es Menschen, die zwar wissen, dass man ein Baby nicht schlagen darf, aber glauben, dass es in Ordnung ist, das Kind brutal zu schütteln. Der Prospekt klärt auf: „Das ist falsch und gefährlich!“. Das kann nämlich zu schweren Gehirnschäden und sogar zum Tod führen.

So weit, so gut.

Jetzt war aber wohl in dem Prospekt (bzw. Flieger) noch Platz und da hat man dann gleich auch noch ein paar andere Tipps aufgeschrieben. Zum Beispiel, bei welchen vermeintlich harmlosen Spielen beim Kind auch schwere Schäden auslösen können, u.a. auch das „Hüpfen des Säuglings auf dem Knie eines Erwachsenen“ oder „Das Schwingen des Babys auf dem Bein“. Da ist beim erstaunten Leser jetzt aber erstmal das große Wundern angesagt: Solche Spielchen wurden doch zu allen Zeiten gemacht und sorgen bei Kindern meist für große Heiterkeit. Aber wenn das so gefährlich ist, sollten wir das Baby vielleicht doch lieber vor den Fernsehen setzen – da kann ja mal nichts passieren.

Es kommt aber noch besser.

Weil die Autoren des Prospekts (bzw. Fliegers) nicht nur Verbote, sondern auch ein paar praktische Ratschläge geben wollten, widmen sie sich auch der Frage: „Wie geht man mit einem schreienden Baby um?“ Schlagen und Schütteln kommt ja bekanntlich nicht in Frage. Deshalb der kultige Ratschlag der Experten: „Stellen Sie sicher, dass der grundlegende Bedarf des Babys gedeckt ist: ausreichend zu essen, passende Kleidung, frisch gewickelt.“

Wow – das ist aber mal ein guter Rat. Ein Glück, dass das mal jemand geschrieben hat.

Es kommt aber noch besser. Nach ein paar ähnlich tollen Tipps wie diesem ersten hier, kommt noch dieser Experten-Rat, wenn Ihr Baby nicht aufhört zu schreien: „Fragen Sie einen Freund, Verwandten oder einen Nachbarn um Hilfe.“ Ob das Baby dann aufhört zu schreien, wenn der Nachbar kommt?

Egal.

Dann kommt aber der ultimative Tipp: „Wenn alles weitere scheitert, legen Sie das Baby in eine Wiege und stellen Sie sicher, dass keine Gefahren bestehen.“ Und was sollen wir dann machen? Vermutlich schnell das Weite suchen!

Olaf Plotke, 15. Oktober 2010

Rees gehen zwei Lichter auf

Da freut sich die Stadt Rees aber: Ein Energieversorger hat ihr zwei Leuchten geschenkt, damit es in der Galenusgasse nicht mehr so dunkel ist. Wie schade nur, dass man jetzt wohl auch nachts noch sieht, wie schäbig die Straßendecke in der Gasse ist. Deshalb versichert die Stadt in der Pressemitteilung zur Schenkung der Lampen gleich noch: "Da sich der gepflasterte Oberflächenbelag der Galenusgasse aktuell in einem weniger guten Zustand befindet, soll voraussichtlich im kommenden Jahr die Sanierung erfolgen."

Olaf Plotke