Alle Kunst-VIPs stoßen auf die letzte Phase des Umbaus an. Vor zwei Jahren verabschiedete sich Guido de Werd offiziell aus dem Museum Kurhaus. Er blieb dem Haus zwar mit dem Titel des Senior-Kurators (so eine Art Museums-Ehrenvorsitzender) verbunden, aber der "Herr Direktor" war futsch. Von da an übernahm sein bisheriger Stellvertreter Dr. Roland Mönig das Ruder. Allerdings nur kommissarisch. Zwei Jahre steuerte er das Kurhaus-Schiff durch die raue Kunstwelt und die Umbauphase. Und während der Moyländer-Kunst-Kahn mit einer erheblichen Schlagseite zu kämpfen hat und seit der Wiedereröffnung immer kurz vor dem Untergang steht, ist das Museum Kurhaus auf und davon gesegelt. Es hat in der Kunstwelt einen ausgezeichneten Ruf. Nicht zuletzt ein Verdienst von Dr. Mönig, der ganz im Gegensatz zu Moyland mit furiosen Wechselausstellungen Triumphe feierte. Carl Andre, Ulrich Erben und Jannis Kounellis waren Knaller für Kleve. Moyland dagegen zeigt eine Schau wie "Asche und Gold" - die Zweitverwertung einer Ausstellung, die Anfang des Jahres erst Dr. Roland Mönigim gut 200 Kilometer entfernten Herford zu sehen war. Da ist selbst die Keramik-Ausstellung im Kurhaus vor wenigen Wochen doch allemal mehr ein Lockmittel, um den Niederrhein zu besuchen. Einfach, weil sie einzigartig ist. Erst im Februar heimste Mönig mit seinem Kurhaus-Team für die Carl Andre-Ausstellung dann auch noch einen der bedeutensten Kritiker-Preise ein, die ein Museum gewinnen kann.

Mönig ist aber nicht nur ein Museumsmann mit hervorragenden Kontakten und einem Händchen für Kunst, die Menschen begeistert. Seine vielleicht größte Qualität ist seine besonders angenehme Art, Menschen für die Kunst zu interessieren. Wenn Mönig ein Kunstwerk erklärt, ist man gefesselt. Und er macht das auf eine so unprätentiöse Art und Weise, das man merkt: Für ihn ist Kunst nicht nur etwas für elitäre Kreise - er will jeden für die Kunst begeistern. Und das schafft er auch. Er ist ein "Menschenfischer" für die Kunst.

Seine Leistungen für das Museum Kurhaus und für Kleve wurden nicht belohnt. "Ein Prophet gilt nirgend weniger denn in seinem Vaterland und in seinem Hause." (Matthäus, 13,57)  Er wollte nicht nur kommissarisch das Kurhaus leiten, sondern auch offiziell. Seine Bewerbung um den Direktoren-Posten fiel zur Überraschung vieler durch. Am 1. April wurde Dr. Mönig ein neuer Chef vor die Nase gesetzt: Professor Harald Kunde (Foto oben li.).

Mönig sei zu still, zu zurückhaltend, zu wenig glamourös, heißt es hinter vorgehaltender Hand. Stimmt: Wenn man Kunde und Mönig bei einem offiziellen Anlass im Kurhaus trifft, merkt man gleich, wer hier das Alpha-Tier ist. Mag sein, dass Mönig eher ein Leisetreter ist. Aber ihm war es immer wichtiger, dass das Museum und Kleve glänzen, nicht er. Nichts gegen den Herrn Professor - er ist sicher ein toller Museumsmann und ein Macher, aber mir bleibt seine Wahl noch immer unverständlich.

Gestern wurde offiziell die letzte Phase des Umbaus des Museum Kurhauses eingeläutet. Am 9. September ist ja schon die große Wiedereröffnung. Alle wichtigen Museumsleute aus Kleve und natürlich auch Bürgermeister Theodor Brauer waren da um zu feiern. Dr. Mönig selbstverständlich auch. Die Wiedereröffnung wird auch sein Erfolg, so viel steht fest. Aber während Brauer, de Werd und Kunde in der ersten Reihe mit Sekt anstießen, stand Mönig ganz hinten (siehe Foto unten). Mir fiel dazu eine Zeile aus einem Wolf Biermann-Chanson ein: "Ich möchte am liebsten weg sein - und bleibe am liebsten hier."

Mönigs Herz hängt an diesem Museum. Jeder weiß das. Doch er muss gehen, wenn er nicht ewig nur der Lückenfüller bleiben möchte.

Ich fürchte für uns und hoffe für ihn, dass er uns nicht mehr lange erhalten bleiben wird. Er hätte es verdient.

Olaf Plotke, 17. Juli 2012

Fast ganz hinten: Dr. Roland Mönig gestern beim Festakt im Kurhaus.

Kommentare   

#1 Jens-Uwe Habedank 17.07.2012 14:05
Da stimme ich 100% zu! Mönig zu still? Mit einem Satz belebt und beseelt er mehr als der Herr Bürgermeister mit all seinen Phrasen.
Das Kurhaus-Museum wird nicht mehr das Kurhaus-Museum sein. Schade.
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#2 kaffeeschnecke 18.07.2012 09:11
ich weiß ja nicht, was das mit dem Bürgermeister zu tun hat. Soll er jetzt im Museum Kunst erklären?? - wieder typisch...
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#3 Wim Heuvens 18.07.2012 13:23
Ich weiß auch nicht, was das mit dem Bürgermeister zu tun hat.
Hat man kein Feindbild, schafft man sich eins .....
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#4 Der da 18.07.2012 22:46
Dass alle Kommentare hier und bei kleveblog immer darauf hinaus laufen müssen entweder Herrn Brauer nieder zu machen.
Ich finde auch nicht alles toll was der macht. Aber in Plotkes blog ging es doch jetzt wirklich nicht um ihn.
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#5 Willem Heuvens 19.07.2012 14:24
@ Der da

Es sind meist die Mitmenschen, die selbst nichts erreicht haben und neidisch auf Erfolge sind.
Wenn man vor Jahren in Kleve so weitergewurstelt hätte, wäre man längst pleite. Die Stadt wurde jahrzehntelang nur verwaltet, man hatte weder Visionen noch fruchtbare Zukunftspläne.
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#6 aboguru 19.07.2012 22:48
guten tag Sie herr willi heuwens und Sie mann/frau "kaffeeschnecke". naürlich geht es nicht um herrn bm theo brauer. aber abseits der wege liegen die brotkrumen. wer postete sehr gut folgende ausführung zum theo fan? "Bernd Boltershagen sagt: Wenn ja, warum setzen Sie sich nicht argumentativ mit den Inhalten der Artikel auseinander?
Was begründet ihre Überzeugung, dass das Center ein "Knaller" wird?
Welche Zahlen und welche konkreten Objekte (genau darum geht es in dem Artikel des Herrn Plotke) sprechen für die von ihnen angenommene "Professionalität, die höchst anspruchsvollen Standards mehr als genügen"?
Mit wem von Sontowski haben Sie sich unterhalten und woher rührte ihr positiver Eindruck?"
ausflüchte und mehr nicht. willi h. (h=heißluftgebläse). keine konstruktiven argumente. nur theo wirds richten. bei solchen bürgern bange ich um unsere demokratie! doch ich muss auch danke sagen: lieber herr w. h. danke für die vielen weltweit posts zu ihrer liebe theo b., ich nominiere sie für den klein kunst preis 2012.:-)
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#7 Willem Heuvens 20.07.2012 07:20
Den Preis bekomme ich ja sowieso nicht ....
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#8 kaffeeschnecke 20.07.2012 12:56
Zitat:
Was begründet ihre Überzeugung, dass das Center ein "Knaller" wird? Welche Zahlen und welche konkreten Objekte (genau darum geht es in dem Artikel des Herrn Plotke) sprechen für die von ihnen angenommene "Professionalitä t, die höchst anspruchsvollen Standards mehr als genügen"? Mit wem von Sontowski haben Sie sich unterhalten und woher rührte ihr positiver Eindruck?"
Sie sind im falschen Text Herr/Frau aboguru
aber ich wollte sowieso nicht mit Ihnen "reden"
Hier gehts jawohl um das Musueum Kleve :-(
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#9 Jens-Uwe Habedank 20.07.2012 13:17
Zugegeben, die Verbindung Mönig/Brauer mag auf den ersten Blick ein Abweichen sein und wer es sich zurecht legt, der kann daraus eine Neiddebatte oder Ähnliches lesen.
Worum mir es aber ging: Die Diametrie Klever Gesellschaftsverhältnisse aufzuzeigen, dazu gehört auch der Kunstbereich. Auf der einen Seite einen engagierten, kompetenten und glaubwürdigen Hr. Mönig der aus der zweiten Reihe nicht herauskommt.
Auf der anderen Seite die stete Lichtgestalt, welche stets den Platz in der ersten Reihe einnimmt; leider aber, bezogen auf Kunst und Museum, nicht die o.e. Qualitäten hat.
Doch wer gibt den Takt an, trifft Entscheidungen aller Art, auch bei der Besetzung des Postens...?
Da scheint es mir in Kleve so zu sein, dass immer nur das entschieden wird, wofür die populistische Stimmung erzeugt wird. Völlig konträr zu Anspruch, auch eben in Bezug auf das Kurhausmuseum.
Über Prof. Kunde kann ich da wenig sagen und ihn in die vergleichende Absurdität mit hinein nehmen, weil ich ihn nicht kenne
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#10 Wim Heuvens 21.07.2012 13:21
Eine Profi-Bürgermeister muß aus dem Nichts heraus aus zu kulturellen Themen etwas sagen können, etwas Gehaltvolles.
Und das kann Brauer, so wie auch zu wirtschaftlichen und sonstigen Fragen.
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#11 Willem Heuvens 21.07.2012 14:19
Wer sich für die wirklichen Zustände im vergangenen und teilweise aktuellen Kleve interessiert, dem empfehle ich das Buch: "Mein Weg" des Klevers Ernst Theissen.
Das Buch war zeitweise nicht oder kaum zu erhalten .... warum wohl?
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#12 Jens-Uwe Habedank 22.07.2012 16:17
@#11, Willem Heuvens: Weil Theo Brauer alle Exemplare aufgekauft hat...?
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#13 Willem Heuvens 22.07.2012 17:06
Der nicht, .... vielleicht ein anderer!?
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#14 Wim Heuvens 22.07.2012 18:15
Alles kommt heraus, alles zu seiner Zeit.
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#15 Michael Bay 31.07.2012 21:35
Es nervt inzwischen sehr, dass nahezu jeder Artikel so missachtet und gedreht wird, dass daraus eine Abwertung oder Verteidigung des BM Brauer wird. In diesem Artikel geht es um die Arbeit von Dr. Roland Mönig für das Museum Kurhaus. Dass er in der Fachwelt als hochkompetenter Mensch anerkannt ist, das ist unumstritten. Und: Dr. Roland Mönig ist zusammen mit Guido de Werd derjenige, der (nicht nur) die museale Kultur auf ein Niveau gehoben hat, das einfach atemberaubend einerseits und zivilisierend andererseits ist. Ich bitte darum, die Ausstellungen zu erinnern, welche die beiden in den letzten Jahren in Kleve inszeniert haben. Das haben beide mit einer Lust und einem Können gemacht, dass man erst einmal wird abwarten müssen, ob es Herrn Prof.Dr. Kunde gelingen wird, diese Lust, diese alle Sinne umfassenden Freude an der Vermittlung von Kunst fortzusetzen. Vielleicht hat Dr. Roland Mönig das leise gemacht. Aber gerade das zeigt sein Können. Was das Verhältnis zu Vorgesetzten angeht, so gilt immer noch das Zitat, das man Beethoven unterstellt. Der hatte ein Kammermusikstück komponiert. Als sich nun bei einer Probe der Violinist darüber beschwerte, wie schwierig das Stück zu spielen sei, da soll Beethoven ihn irritiert angeschaut und ihm gesagt haben."Was kümmert mich seine Geige, wenn ich komponiere..." In diesem Sinne noch einen schönen Abend.
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#16 Der da 01.08.2012 00:01
@Michael Bay:
Ich sehe es wie Sie und hatte in einem Kommentar das auch schon geschrieben. Es hat aber nichts genützt.
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#17 Kaffeeschnecke 01.08.2012 09:04
ich sag's ja
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