Der Neujahrsempfang der Kreis Klever Grünen im Museum Kurhaus ist ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis. Mehr als 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und Institutionen nehmen alljährlich daran teil und natürlich sind auch Vertreter der Grünen aus dem ganzen Kreis dabei. Die ganze Veranstaltung sagt: „Sehr her, wir sind die Mitte der Gesellschaft! Wir sind bürgerlich und wir geben den Ton an.“ 

Keine Frage, die Veranstaltung ist edel. Man sitzt inmitten moderner Kunst, lauscht cooler Jazz-Musik und hört Reden von wichtigen und weniger wichtigen Politikern.

So war es auch in diesem Jahr. Die Gästeliste war wieder illuster und man hatte auch keine Schwierigkeiten, die wichtigen Gäste von den Grünen zu trennen. Zumindest die männlichen Grünen konnte man leicht ausmachen. Sie trugen Turnschuhe wie z.B. Friedrich Foerster, bei dem man nicht sofort vermuten würde, dass er eine Sportskanone ist, oder ganz lässig T-Shirt unter dem Sakko wie Dr. Artur Leenders oder eine braun-grüne ins Försterhafte spielende Kombination wie Kreischef Michael Bay. Auf alle Fälle eben nicht so schick wie z.B. Volksbank-Vorstand Frank Ruffing, Honorarkonsul Freddy Heinzel, Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers oder Kleves Bürgermeister Theo Brauer. rede

Die Begrüßung teilten sich Anne Peters und Michael Bay. Bei den Grünen gibt es ja immer zwei Vorsitzende, die bei ihnen aber Sprecher heißen. Obwohl Frau Peters auf mich nicht so wirkte, als ob sie sonderlich gut sprechen könnte. Zumindest nicht vor Publikum. Ihre Rede war denn auch gar keine Rede, sondern m.E. ein schlechtes Vorlesen eines noch schlechteren Textes.

Michael Bay ist da schon ein ganz anderes Kaliber - der kann reden. Und er brachte am Ende seiner Ansprache auch einen Satz, der so prägnant war, dass man nachher noch am Büffet darüber sprach. Er zitierte nämlich Siegmund Freud: „Es gibt keine 100-prozentige Wahrheit, es gibt ja auch keinen 100-prozentigen Alkohol!“

Danach sprach dann Museumsdirektor Dr. Roland Mönig, der das nun auch wirklich kann. Ich höre ihm gerne zu, obwohl er manchmal so blödsinnige Sätze sagt wie man sie in der Kunstszene eben so sagt. Er sprach nämlich über ein Kunstwerk, das aus einer Wand besteht, auf die ein Mann (Künstler?) einige Stoffreste geklebt hat (siehe Foto). Und Dr. Mönig meint: „Dadurch wird die Wand animiert und belebt!“ Das ist ein bisschen doppelt gemoppelt, weil „animieren“ soviel heißt wie „zum Leben erwecken“, aber es ist sowieso Unsinn, weil die Wand natürlich weiterhin völlig unbelebt und unbeweglich im Kurhaus steht. animierte_wand

Zum Abschluss sprach dann der grüne Bundestagsabgeordnete Kai Gehring und zwar unter anderem über einen Anti-Grünen-Werbespot der CSU, in dem ein grünes Männchen mit einer Steinschleuder zu sehen ist. Herr Gehring wollte wohl mal einen markigen Spruch bringen und sagte, die CSU solle aufpassen, denn „so eine Steinschleuder könne auch nach hinten losgehen!“

Wie bitte?

Ich habe den Grünen Jugendpolitik-Experten nachher gefragt, wie denn eine Steinschleuder nach hinten losgehen könne. Er wusste es auch nicht, meinte aber, dass das Bild klar sei.

Aha.

Mir war das nicht klar. Genauso wenig wie ich verstanden habe, warum er als Bundestagsabgeordneter die Finanzkrise „hautnah miterlebt hat“ wie er das so schön ausgedrückt hat. Hat der Herr etwa faule Immobilienkredite aufgekauft oder hat Bundestagspräsident Norbert Lammert ihm auch Kurzarbeit verordnet, wie viele Industriebetriebe ihren Mitarbeitern? Musste der Abgeordnete etwa auf einen Teil seiner 7.668 Euro hohen monatlichen Diät plus 3.868 Euro Kostenpauschale verzichten?

Natürlich nicht. Wir müssen uns über die Absicherung des Abgeordneten Gehring keine Sorgen machen. Vermutlich war das auch nur so ein Spruch wie der mit der Steinschleuder, die nach hinten losgeht.

Gehring forderte übrigens auch „Bauernhöfe statt Fleischfabriken!“. Das ist schön gesagt, weil wir die Vorstellung lieben, dass die Tiere noch wie bei Heidi auf der Weide stehen. Dumm nur, dass dann nicht genug Fleisch für alle da wäre. Auch nicht für den Neujahrsempfang der Grünen im Kurhaus, bei dem es ein sehr, sehr fleischlastiges Büffet gab mit Frikadellen, panierten Hähnchenteilen, Roastbeef usw. fleischbuffet

Den Abgeordneten Gehring hat es nicht weiter gestört, die Gäste auch nicht. Mir war es egal, ich esse bei solchen Gelegenheiten eh lieber vegetarisch.

Und den Käse-Igel fand ich hübsch (siehe Foto). Die Käsestücke waren dort natürlich mit Plastikstäbchen befestigt. Ist ja sicher auch öko, weil dafür keine Wälder abgeholzt wurden.

 

Olaf Plotke, 17. Januar 2010

 

Kommentare   

#1 Carsten Otto 17.01.2011 16:06
Lieber Olaf,

das hast du wieder super geschrieben! Wirklich klasse! Es ist immer wieder eine Freude, deinen Blog zu lesen!

LG
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#2 Michael Bay 17.01.2011 18:03
Olaf, natürlich hätte ich Dir und den anderen Leuten gern den recht großen vegetarischen Anteil am Buffett gezeigt. Der hat selbst mir als fleischfressende Pflanze richtig gut geschmeckt. Crepes mit Lachs gefüllt, Tomaten Mozarella Stäbchen, gefüllte Champignons,mit Fisch gefüllte Törtchen, einfache Brote... Außerdem weiß ich nicht, was das mit Öko zu tun haben soll.. Oder hechelst Du da einem Klischee nach?
Hätte Kai den Fehler begehen sollen, in seiner Neujahrsrede nicht einfach nett zu den Anwesenden zu sein? Anne und ich laden im Namen des KV auch Leute ein, die nicht unserer Meinung sind. Im Gegensatz zum Genossen Katzy beleidigen wir unsere Gäste nicht. Das habe ich ja aber nur von anderen Genossen gehört.
Dass einem in der Rede so manches Bild daneben geht, geschenkt.
Aus meiner Sicht war die Atmosphäre bis auf wenige Ausnahmen sehr friedfertig und wohlwollend dem anderen menschen gegenüber.Und darin liegt der Grund für Ihre Beliebtheit.
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#3 Friedrich Foerster 17.01.2011 19:09
Lieber Olaf!
Nanu! Man könnte fast den Eindruck haben, dass Du am liebsten Schmerzensgeld für den Besuch des bündnis-grünen Neujahrs-Empfanges einklagen möchtest. ;-)
Dabei hatte ich den Eindruck, dass Du Dich mit Deiner Ehefrau so richtig wohlgefühlt hast und freiwillig gaaanz lange geblieben bist und Dich angeregt unterhalten hast. ;-)
Wer hindert eigentlich die demokratischen Mitbewerber daran, ebenfalls zu vergleichbaren Neujahrs-Empfängen einzuladen? ;-)
Gerne sehe ich Dich auf dem nächsten Neujahrs-Empfang wieder - oder vorher auf einer anderen öffentlichen bündnis-grünen Veranstaltung, wenn denn mal wieder eine stattfindet! ;-)
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#4 Jörg Lorenz 18.01.2011 15:16
Da kann ich aber angesichts der Aufforderung, die Konkurrenz könne ja ebenfalls zu vergleichbaren Empfängen einladen, nur herzhaft lachen. Den Neujahrsempfang der Kreis Klever SPD gibt es seit genau 20 Jahren, den der CDU immerhin seit 18 Jahren.
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#5 Bernd 18.01.2011 17:45
Interessanter Text.
Die kritisch-unabhängig-provokante Art gefällt mir. Das tut der Klever Klüngelharmonie gut.

Und keine andere Partei dürfte das Hinterfragen des Scheins und Gelabbers so verdienen wie die Partei der Besserverdienenden mit dem vorrangigen Ziel des besseren Gewissens.
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#6 Friedrich Foerster 18.01.2011 19:02
Lieber Jörg Lorenz!

Mit großer Freude lese ich, dass ich auf den Neujahrs-Empfängen der SPD willkommen bin, und werde 2012 gerne kommen!
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