Die Gesundheit der Mitarbeiter ist ein bedeutender Produktivitätsfaktor. So gesehen ist der Kreis Kleve ein günstiger Wirtschaftsstandort. „Die Wirtschaftskrise ist zwar auch in unserer Region angekommen und auch hier gibt es die Tendenz zu mehr Langzeitkranken, die auf den wirtschaftlichen Druck, die Belastungen im Arbeitsumfeld und die Sorge um Ihren Arbeitsplatz mit psychischen Erkrankungen reagieren“, erklärte der stellvertretende AOK-Regionaldirektor Willy Looschelders. „Trotzdem ist der Krankenstand hier im Vergleich zu anderen Regionen immer noch sehr niedrig. Weitere Standortvorteile sind die qualitativ guten Arbeitskräfte, die mit ihrer Heimat verwurzelt sind und dem Unternehmen, in dem Sie tätig sind, ein hohes Maß an Identifikation und Loyalität entgegenbringen.“

Eine „Liebeserklärung“ an den Kreis Kleve gab es auch von Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers, der über Lagegunst, Menschenschlag und Unternehmergeist als wichtige Standortfaktoren für die Ansiedelung neuer Gewerbe referierte. Der Kreis Kleve zeichne sich neben dem niedrigen Krankenstand und vielen anderen Vorteilen auch dadurch aus, dass die Menschen hier bodenständig, offen, verlässlich und Werte erhaltend seien. Die überwiegende Zahl der Unternehmen im Kreisgebiet habe eine Betriebsgröße von fünf bis 50 Mitarbeitern. In kleineren und mittelständischen Betrieben identifizieren sich die Mitarbeiter besser mit dem Unternehmen, was auch Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit, die Leistungsmotivation und das Verantwortungsbewusstsein hat und damit ein zentraler Faktor für den Erfolg des Unternehmens ist.

Arbeitsverdichtung, Arbeitsplatzunsicherheit, Wettbewerb und Globalisierung machen allerdings auch vor dem Kreis Kleve nicht halt und haben hier wie auch anderswo zu einer Zunahme psychischer Belastungen geführt, wie Heinz Kowalski, Geschäftsführer des BGF-Instituts erklärte. Alleine in den letzten fünf Jahren haben die Arbeitsunfähigkeitsfälle auf Grund Psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen bei den AOK-Versicherten im Kreis Kleve um 24 Prozent zugenommen. Der Anstieg der Arbeitsunfähigkeitstage betrug sogar 41 Prozent. Das BGF-Institut der AOK Rheinland/Hamburg hält eine Vielzahl von Maßnahmen bereit, um hiesige Unternehmen vor dieser Entwicklung zu schützen oder dort, wo „das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, für Minderung zu sorgen. Dabei stehen die drei Zielrichtungen der betrieblichen Gesundheitsförderung „Gesunde Verhältnisse“, „Gesundes Verhalten/Gesunde Führung“ und „Persönliche Gesundheitskompetenz“ im Mittelpunkt der Aktivitäten.

Wie wichtig der wertschätzende Umgang mit Mitarbeitern ist, erläuterte der Organisationspsychologe Professor Dr. Dr. Michael Kastner von der Universität Dortmund. Es werde immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden und zu binden, die mit der wachsenden Komplexität fertig und von ihr psychisch nicht beeinträchtigt werden. Die Unternehmen müssten deshalb etwas für die „Work Life Balance“ tun, um Mitarbeiter zu halten, die fähig und psychisch stabil bleiben, sich mit der Region und dem Unternehmen verbunden fühlen und sich hoch motiviert engagieren.

Unser Foto zeigt die drei Veranstalter des Kongresses zur Betrieblichen Gesundheitsförderung: Hans-Josef Kuypers von der WFG Kreis Kleve, Ralf Beutel vom BGF-Institut Köln und Willy Looschelders, stv. Regionaldirektor der AOK Kreis Kleve (v.l.).

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