fahndung2 webKreis Kleve (4.9.2016). Am 30. Oktober letzten Jahres bemerkt eine Frau, dass ihre Geldbörse nicht da ist. Da ist es schon zu spät: Drei Männer haben mit ihren EC-Karten in Volksbankfilialen in Bedburg-Hau Geld abgehoben und in einem holländischen Outlet-Center eingekauft. Beim Geld abheben wurden die Täter fotografiert (hier der Link zur Fahndungsmeldung). Bis die Polizei die Fotos zur Fahndung veröffentlicht, vergehen sage und schreibe 10 Monate! Der Kurier am Sonntag erklärt, warum es in diesem und in ähnlichen Fällen so lange dauert, bis Fotos von Kriminellen zur Öffentlichkeitsfahndung genutzt werden können. Aber Vorsicht: Es könnte sein, dass Sie nach dem Lesen den Glauben an unseren Rechtsstaat verlieren.

Die Polizei führt zwar die Fahndung nach mutmaßlichen Tätern durch, darf aber von sich aus nicht einfach Fotos für die Öffentlichkeitsfahndung nutzen. „Das können auch Fotos von Unschuldigen sein und dann stehen die plötzlich in der Zeitung“, sagt der Klever Oberstaatsanwalt Günter Neifer. Bei ihm und seinen Kollegen muss die Polizei die Verwendung von Fotos und Phantomzeichnungen beantragen. Am Ende entscheidet dann ein Richter über die Veröffentlichung. Und der verlangt in der Regel, dass Fotos erst dann zum Einsatz kommen, wenn die Polizei alle anderen Fahndungsmöglichkeiten ausgeschöpft hat. So darf z.B. im Juli das Foto eines Einbrechers in Uedem nicht für die Fahndung verwendet werden, dass das geschädigte Ehepaar selbst gemacht hatte, als sie den Mann auf frischer Tat ertappte. Wie lange es dauern wird, bis das Foto verwendet werden kann, ist noch ungewiss. Die 10 Monate im Fall der EC-Kartenbetrüger findet auch der Oberstaatsanwalt lang.
Eine Rekonstruktion der Ereignisse gibt einen interessanten Blick auf die Arbeit deutscher Behörden frei: Am 3. November letzten Jahre stellte die geschädigte Frau die Anzeige. Dann dauerte es bis zum 9. März, bis die Volksbank der Polizei die Bilder der Überwachungskameras der Polizei übergab. Die Fotos waren dann von so schlechter Qualität, dass die Polizei sie nach Angaben der Staatsanwaltschaft erst aufwendig bearbeiten musste. Am 19. Mai stellte sie dann bei der Staatsanwaltschaft den Antrag auf Verwendung der Bilder für die Fahndung. Am 10. Juni wurde diese Genehmigung erteilt. Am 30. August veröffentlichte die Polizei dann die Fotos der mutmaßlichen Täter. „Das ist eine lange Zeit, aber auf Seiten der Staatsanwaltschaft ist keine Verzögerung eingetreten“, erklärt Neifer.
Als Außenstehender beschleicht einen vielleicht die Frage, ob eine Veröffentlichung von Fahndungsfotos nach 10 Monaten überhaupt noch einen Sinn hat. „Ja“, sagt Polizeisprecher Manfred Jakobi. „Weil es nicht darum geht, den Tatnachweis zu führen, sondern die Täter zu identifizieren.“
Dass die Veröffentlichung von Fahndungsbildern Monate dauert, ist vielleicht nicht die Regel, kommt allerdings in Kleve immer wieder vor. Ein Behördenversagen schließen die Behörden aus. Ach so.

Olaf Plotke

Kommentare   

#1 Bernd Derksen 04.09.2016 07:35
Danke für die Recherche und Darstellung der Hintergründe!
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>Ein Behördenversagen schließen die Behörden aus. Ach so.>


Kann da etwa jemand dran zweifeln? ;-)
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#2 Fredl Haimer 04.09.2016 12:13
Interessante Info, wohl wahr. Ein Foto des Einbrechers, welches die Geschädigten selbst gemacht haben, sollte wohl "wasserdicht" sein. Was spricht in diesem Fall gegen eine Veröffentlichung? Gesunder Menschenverstand sieht anders aus.

Und was das Vertrauen in die Justiz betrifft: Das habe ich (und viele andere auch) längst verloren. Mir fällt in letzter Zeit immer mehr auf, dass Täter kaum noch etwas zu befürchten haben - Gesetze aus dem letzten Jahrhundert, Bürokratie, Horden von Rechtsanwälten, die zudem noch aus Steuergeldern bezahlt werden. Man kann nur beten, niemals in die Mühlen dieses Apparates zu kommen. Mit Recht hat das alles überhaupt nichts zu tun.
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#3 Martin Fingerhut 07.09.2016 08:44
Fragen an die VoBa :

Es dauerte von November bis ### März, bis die Volksbank der Polizei die Bilder der Überwachungskameras der Polizei übergab. ###

1.)
Wie lange bleiben die Aufnahmen gespeichert ?
Also auch die Bilder sämtlicher harmlosen, rechtSchaffenden Kunden ?
Hieß es nicht mal, sie würden routineMäßig schon nach wenigen Wochen gelöscht ?

2.)
Wie toll ist die VoBa organisiert,
daß sie 4 Monate braucht, die Fotos herausZuKramen ?

### Die Fotos waren dann von so schlechter Qualität,
dass die Polizei sie [...] erst aufwendig bearbeiten musste.

3.)
Was taugen die Kameras in den Automaten ?
Warum baut die VoBa Kameras ein,
die keine (sofort) brauchbaren Fotos liefern ?
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#4 ??? 07.09.2016 22:21
#3. Martin Fingerhut

Wen interessieren denn normalerweise "brauchbare Fotos" von "Wurmfortsätzen"? ;-)
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#5 Martin Fingerhut 08.09.2016 00:04
@ #4 ??? :
Ach so, Sie meinen, die Kameras seien so programmiert,
daß sie nur dann superScharfe Fotos schießen,
wenn seine hochWohlGeboren Ruffing höchstSelbst mit geklauten Karten die VoBa plündert ?
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#6 ??? 08.09.2016 13:22
@ 5. Martin Fingerhut

Ich meinte damit, dass "Wurmfortsätze" und deren, bei der VoBa anvertrauten Konten, eher keine Beachtung finden, sonst hätte man anders reagiert und gehandelt.
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#7 Horst Walter 10.12.2017 12:04
Das ganze sieht nach Täterschutz vor Opferschutz aus !
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