ralfseeger1 webKranenburg (18.4.2015). Er ist ein harter Kerl, aber er hat ein ganz großes Herz: Ralf Seeger (52) aus Kranenburg war mehrfacher Free Fight-Weltmeister und kam früher wegen Körperverletzungsdelikten auch schon mal mit dem Gesetz in Konflikt. Das ist lange her. Er hat darüber geschrieben in seiner Autobiographie „Deus iudex meus“ („Nur Gott ist mein Richter“) - eine Art Klarstellung und Bestandsaufnahme. Vielleicht auch ein Schlussstrich. Heute ist Ralf Seeger vor allem als Tierschützer tätig. Er hat beim Fernsehsender VOX eine eigene Sendung („Harte Hunde“) und ist Vorsitzender des Vereins „Helden für Tiere“, der Tierheime in Ungarn baut und sich gegen Pelzfarmen engagiert. Im Kurier am Sonntag redet Seeger über seine Jakobsweg-Radtour für den Tierschutz, über seine Glauben und über Gewalt.  


Zusammen mit einem Freund und Tierschutz-Vereinsmitglied sind Sie 910 Kilometer auf dem Jakobsweg gefahren, um gegen Massentierhaltung und für den Tierschutz zu demonstrieren. Warum gerade der Jakobsweg?  

Ralf Seeger: „Markus Bugger und ich wollten Aufmerksamkeit erregen und das gelingt mit so einer Radtour über den Jakobsweg besser als wenn man den Alleenradweg von Kalkar nach Xanten fährt. Die Strecke von Saint-Jean-Pied-de-Port in Frankreich bis Santiago de Compostela in Spanien ist bekannt und sehr anspruchsvoll. Wir wollten uns auch selber quälen, um auf die Qualen aufmerksam zu machen, die Tiere in Fleischproduktionsfabriken tagtäglich erleiden müssen. Wir haben 910 Kilometer in 9 Tagen zurückgelegt und dabei 16.000 Höhenmeter bewältigt. Das war schon hart. Aber es war ein Erfolg. Wir sind auf der Fahrt von einem Wohnmobil begleitet worden, das wir mit Slogans zu unserem Anliegen beklebt hatten - natürlich auf Englisch, damit es auch jeder versteht. Wir sind auf mehreren Etappen von spanischen Zeitungen, Radio- und Fernsehsendern interviewt worden, haben es auch in Deutschland in die überregionale Presse geschafft und haben Material gedreht für die neue Staffel von ‚Hund, Katze, Maus‘ - der Tierfreunde-Sendung auf Vox. Wir hätten natürlich auch eine Benefiz-Tour machen können, um Geld zu sammeln, aber es war uns diesmal wichtig, unseren Protest öffentlich zu machen. Tierhaltung zur Fleischproduktion oder zur Herstellung von Pelzen oder das Robbenschlachten - das sind Themen, die lassen niemanden kalt. Aber viele schauen weg, wollen es nicht wahrhaben oder es ist ihnen egal. Deshalb muss man immer wieder darauf aufmerksam machen und das Unrecht ins Licht der Öffentlichkeit bringen. Das haben wir getan. Und wenn wir nur ein paar Leute zum Umdenken gebracht haben, dann hat es sich gelohnt.“

Pelz kann man angeblich ja wieder tragen, soll sogar regelrecht wieder in sein?  

Ralf Seeger: „Ja, das ist für mich absolut unfassbar. Was kaum jemand weiß: Direkt hinter der Grenze in Holland gibt es neun große Pelzfarmen, wo zehntausende Nerze gehalten werden bis sie grauenvoll vergast werden, damit man aus ihrem Fell Mäntel, Mützen usw. macht. Ich kann überhaupt nicht verstehen, wie man sich in so was dann noch wohlfühlen kann - heute weiß doch jeder, wie die Kleidungsstücke hergestellt werden. Vor Jahren noch haben alle Topmodels Werbung gemacht gegen solche Nerzfabriken unter dem Motto ‚Lieber nackt als mit Pelz‘ und heute tragen die gleichen Models auf den Laufstegen dieser Welt wieder Pelzmode zur Schau. Das finde ich traurig und zeigt mir nur, dass deren Engagement für den Tierschutz nur Eigensucht war. Sie waren dagegen, als es in war dagegen zu sein und man so die eigene Berühmtheit steigern konnte. Jetzt hat sich der Wind gedreht und man trägt wieder ungeniert Pelz und die Models lassen sich kaufen. Ein Gewissen, das sie belastet haben sie ja anscheinend nicht. Es geht ihnen nur um sich. Sie stehen im Mittelpunkt ihrer Welt - alles andere, auch alle anderen Menschen und Tiere sind unwichtig. Es kommt ihnen allein darauf ralfseeger2 weban, sich zu exponieren.“

Könnte man Dir nicht auch vorwerfen, dass Du Dich exponierst?  

Ralf Seeger: „Natürlich tue ich das. Aber es geht doch darum, mit welcher Motivation man das macht. Der Zweck heiligt die Mittel. Ich mache es ja nicht, weil ich damit etwas verdienen oder meine Bekanntheit steigern möchte, sondern um auf ein meiner Ansicht nach schreiendes Unrecht aufmerksam zu machen. Wenn Prominente ihre Berühmtheit für solche Dinge einsetzen, dann ist das doch eine gute Sache. Ich unterstelle aber den Models, über die wir vorhin sprachen, dass ihnen das Anliegen im Grunde egal ist. Ich kann nur hoffen, dass bei ihnen irgendwann mal eine Wandlung stattfindet. Meine gute Freundin Brigitte Bardot hat ja auch mal das Jet Set-Leben gelebt, in dem sich die ganze Welt nur um einen selbst dreht, die eigene Schönheit, den Luxus und es egal ist, auf wessen Kosten das alles geht. Aber sie hat sich geändert und das finde ich gut. Ich musste auch erstmal erkennen, dass das eigene Ego unwichtig ist und uns sogar oft genug auf falsche Wege lockt. Es ist meiner Ansicht nach ein Zeichen von geistiger Reife, wenn man erkennt, was wirklich wichtig im Leben ist und sich dann auch wandelt.“

Geht es darum auch in Deinem Buch „Deus iudex meus“- um Reue und Umkehr?  

Ralf Seeger: „Das scheinen mir die falschen Begriffe zu sein. Ich bin auf viele Dinge nicht stolz, die ich in meinem Leben gemacht habe. Keine Frage. Aber ich habe einfach zu viel Energie in mir gehabt. Ich glaube an Reinkarnation und bin überzeugt, dass ich in meinen früheren Leben immer ein Kämpfer und Krieger war. Da habe ich viel Energie in dieses Leben mitgenommen, die erstmal raus musste. Wie gesagt - ich bin darauf nicht unbedingt stolz, aber es war Teil meiner Entwicklung.“

War der Jakobsweg für Dich auch eine spirituelle Erfahrung?  

Ralf Seeger: „Nein, dafür blieb keine Zeit. Wir hatten ja ein konkretes Anliegen und haben uns dafür eingesetzt. Wann immer möglich, haben wir mit Medienvertretern und Menschen gesprochen, denen wir begegnet sind. Natürlich haben wir Kirchen besichtigt und das berührt mich natürlich dann auch spirituell. Aber ich denke, ich werde den Weg eines Tages nochmal wandern. Dann aber nur für mich, um eine solche Erfahrung zu machen.“

Du bist also ein gläubiger Mensch?  

Ralf Seeger: „Ja, das bin ich. Ich bin vor allem Buddhist, aber ich würde sagen, ein Buddhist mit einem starken christlichen Anteil. Der Buddhismus ist für mich mehr noch eine Kunst der Lebensführung als eine Religion. Ich glaube, dass sich Christentum und Buddhismus im Grunde sehr gut vertragen. Der Respekt vor dem Leben ist ja beiden Religionen gemein. Ich staune nur manchmal über Menschen, die sich Christen nennen und dann wegsehen, wenn sie Elend sehen könnten. Wie kann es sein, dass auch im Kreis Kleve alte Menschen Pfandflaschen in Mülleimern suchen müssen und kein Christ kommt vorbei und fragt, ob er sie mal zu einem warmen Mittagessen oder wenigstens einen Kaffee einladen kann? Ich kann da nicht wegsehen. Ich engagiere mich auch in der Obdachlosenhilfe und helfe derzeit beim Aufbau eines Kinderheims für am Down Syndrom-Erkrankte in Ungarn, weil es denen da wirklich richtig dreckig geht. Und mein nächstes Projekt soll sich ganz konkret an alte Menschen richten. Für die wird auch in unserer reichen Gesellschaft viel zu wenig getan. Man sieht halt lieber nicht hin. Ich habe selbst viel durchgemacht in meinem Leben und weiß, was Leid, Elend, Schmerz, Hunger und Verzweiflung ist. Die meisten haben lieber weggeguckt, als mir zu helfen. Ich bin heute ein anderer Mensch und will nicht weggucken - nicht bei den Menschen und nicht bei den Tieren.“ 

Fragen: Olaf Plotke

Kommentare   

#1 Christina Fetter 03.12.2017 21:44
Ralf Seeger ist ein wunderbarer
Mensch.
Warum zurückblicken, wss er in seinem
Leben falsch gemacht hat.
Dss haben wir dich alle mehr oder
weniger.
Ich finde es berührend wie er sich um
notleidende Tiere kümmert und da hinschaut, wo unsere verwöhnte und
ignorante und egoistische Gesellschaft
wegsieht.
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