kirmesrund4Kleve (11.7.2017). Die periodisch wiederkehrenden Veranstaltungen und Feste sind vielen Erwachsenen nichts Besonderes mehr. Sie haben sie x-Mal miterlebt und so sind sie zum allgemeinen Hintergrundrauschen des eigenen Lebens geworden. Sie stören nicht, aber sie ragen auch nicht hervor.

Wie anders war es noch, als man Kind war. Jeder Freibadbesuch ein Höhepunkt, jedes Weihnachtsfest von ungeheurer Spannung im Vorfeld geprägt, jeder Geburtstag ein Fest. Und dann war da noch die Kirmes. Wer nicht mehr weiß, wie sehr er sich als Kind auf dieses Ereignis gefreut hat, der schaue den wunderbaren und wunderbar komischen Film „Jour de fête“ von Jacques Tati, der im Deutschen den absurden Titel „Tatis Schützenfest“ trägt. Da kommen die Schausteller zum Nationalfeiertag in ein kleines französisches Kaff und schon auf der Fahrt der Wagen in das Dorf läuft ein kleiner Junge hinter einem Wagen her, von dem das Holzpferd eines Karussells herunterschaut. Man kann die Vorfreude kleverkirmes2des Jungen spüren und sehen, wie er sich den Ritt auf dem Pferdchen als prächtige Reise in eine andere Welt vorstellt. Und das war es ja auch. Im Film bauen die Schausteller nicht nur das Karussell, sondern auch ein Kino auf – der Film spielt in einer Zeit, da bewegte Bilder noch eine Sensation waren. Und in diesem Kino sah man unerhörte, unglaubliche Dinge. Es war Kirmes für die Erwachsenen – hier saßen sie und staunten über eine andere Welt, die sie sich bis dahin nicht vorstellen konnten. Und draußen vergnügten sich die Kinder auf den Karussells und in Welten, die sie sich immer vorstellen konnten. Einfach so. Ein Ritt auf einem Holzpferd kann durchs Reich der Indianer oder durch die Wüste führen. Und mit dem Holzflugzeug des Karussells ging es hoch in die Wolken und vielleicht sogar bis zum Mond. Diese Reisen dauerten Ewigkeiten und waren doch immer viel zu kurz.

kirmesrund5Die Karussells haben sich verändert und ein mobiles Kino wird auch nicht mehr aufgebaut. Aber das Staunen und die Freude der Kinder sind immer noch da. Sie lassen sich verführen vom Duft der Mandeln, von den bunten Lichtern, dem Hupen, Lachen und den Stimmen der Animateure in den Karussellhäuschen. Kirmes ist ein Strudel und Kinder lassen sich davon erfassen und mitreißen. Es ist wunderbar ein Kind auf der Kirmes zu sein.

Aber auch Erwachsene können das nochmal erleben. Man muss nur bereit dazu sein und sich für ein paar Stunden oder auch nur Augenblicke in diesen Strudel ziehen lassen. Es ist ganz einfach: Man lasse die Fassade des Alltags zu Hause und gebe sich einfach der Freude hin, sich auf einem Karussell durchschütteln zu lassen. Wer meint, das nicht zu können, der lässt es sich vielleicht vom eigenen Kind zeigen. Und wenn man dann nachher am Wagen von Schnuppi den Duft frisch gebrannter Mandeln einatmet, dann ist das Leben für diesen Moment wie verzaubert.

Von Samstag, 15. Juli, bis Sonntag, 23. Juli, ist die Kirmes wieder zu Gast in Kleve. Willkommen in einer Welt der Wunder, in einer Zeit ohne Zeit.

Olaf Plotke (Text & Fotos)

Kommentare   

#1 Onkel Wolf 12.07.2017 13:47
Wie man hört, soll diese Veranstaltung auch zu geheimen Logentreffen genutzt werden. Eine bessere Tarnung gibt es ja nicht.
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