facesofkleve1Kleve (9.1.2017). Das war schon ein besonderes Bild, dass sich da am Samstagnachmittag im Saturn-Markt in Kleve bot: Auf einer Bühne standen ein Dutzend Klever und präsentierten große Bilder von sich selbst. Es war nur ein kurzer Moment und es war wie in dem Gedicht von Tucholsky "Augen in der Großstadt": "Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, die Braue, Pupillen, die Lider"... Gemalt hat die Ölbilder der Künstler Michael Strogies aus Hannover im Rahmen der Aktion "Faces of Kleve" (Der Kurier berichtete mehrfach). Am Samstag nun konnten die Portraitierten ihre Bilder endlich in Empfang nehmen. Darunter war auch die Klever Bürgermeisterin Sonja Northing, der man die Freude über die Aktion und das eigene Bild ansah. "Ich bin ganz begeistert von dieser Idee", lobte sie den Künstler und Saturn-Chef Max Ingo Festing, die "Faces of Kleve" gemeinsam "auf die Beine gestellt" hatten. Blumen in den Stadtfarben gab es als Dankeschön von der Bürgermeisterin aber nur für den Künstler. Die Bürgermeisterin verriet, dass ihr Portraitbild einen Ehrenplatz im heimischen Partykeller erhalten würde.

facesofkleve2Als Stargast war die ehemalige Queensberry Sängerin Miss Ronja Hilbig mit auf der Bühne, die die Übergabe der Bilder mit Radiosprecher Christoph Kepser moderierte. Die sympathische Künstlerin präsentierte auch ihr Lied "1000 Faces", das speziell für die Kunstaktion von Michael Strogies komponiert und aufgenommen wurde. Und dem Publikum gefiel das so gut, dass sie nach der Übergabe noch einmal zu einer weiteren Performance aufgefordert wurde. Schön.

facesofkleve3Besonders bewegender Moment der Bilderübergabe: Laura van den Berg (Foto rechts) hatte ein Portrait gewonnen, aber nicht sich, sondern ihren vor zwei Jahren verstorbenen Vater malen lassen. Das Portrait übergab sie direkt an ihre Mutter, die Tränen in den Augen hatte. Schöne Randnotiz: Am Ende der Veranstaltung verloste Saturn unter allen Kunden und Besuchern noch vier weitere Portraits, die Michael Strogies noch malen wird. Die Gewinner wurden live auf der Bühne durch Ronja Hilbig gezogen. Und Laura van den Berg war eine der Gewinnerinnen. Die Realität schreibt doch immer noch die schönsten Geschichten...

Die Gesichter von Kleve sind nun verschwunden. Sie werden in Wohnzimmern, Büros und Partykellern aufgehängt. Man konnte sie nur kurz zusammen auf der Bühne bei Saturn sehen und die Menschen hinter den Bildern kennenlernen. Und wie bei Tucholsky so trug auch dieser Moment des Blicks auf fremde Gesichter die große Tragik in sich, die jeder kennt, der ein fremdes Gesicht sieht und noch während er darüber nachdenkt, was sein könnte, die Gelegenheit auch schon entschwindet: "Was war das? Von der großen Menschheit ein Stück! Vorbei, verweht, nie wieder."

Olaf Plotke (Text & Fotos)

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