Lohstätte webKleve (30.10.2016). Bezahlbarer Wohnraum ist in Kleve knapp. Damit für Lastwagen eine Kurve besser befahrbar wird, sollen an der Lohstätte zwei im Besitz der Stadt befindliche Mehrfamilienhäuser abgerissen werden. Noch bevor der Rat die Finanzierung der Maßnahme im Zuge der Umgestaltung des Stadthallenumfelds bewilligen konnte, flatterten den Mietern die Kündigungen ins Haus. Die hoffen, das Vorhaben mit einem offiziellen Bürgerantrag auf dem letzten Drücker noch zu stoppen zu können.
„Wir sind nur der Verwalter der Gebäude und haben von der Stadt Kleve als Eigentümer den Auftrag erhalten, die Kündigungen auszusprechen. Das haben wird dann auch getan“, erzählt Michael Dorißen, Geschäftsführer der GeWoGe Wohnungsgesellschaft Kleve. Mitte September gingen die Schreiben an die Mieter raus. Erst eine gute Woche zuvor waren die neuesten Planungen zur Neugestaltung des Stadthallenumfeldes und dem damit verbundenen Abriss der beiden Häuser an der Lohstätte im Umwelt- und Verkehrsausschuss vorgestellt worden. Mehr aber auch nicht. Anstatt die Entscheidung des Rates abzuwarten, schuf die Stadt schon einmal Fakten. Baubeginn ist schließlich für September 2017 vorgesehen. Laut Stadtsprecher Jörg Boltersdorf gilt es, einen Zeitplan einzuhalten. Ansonsten drohen befristet abrufbare Zuschüsse verloren zu gehen. Boltersdorf: „Wir haben mit der Kündigung so lange es geht gewartet. Es wurde Hilfe bei der Wohnungssuche angeboten “
Wie im Rat abgestimmt wird, scheint erstmal nebensächlich zu sein. „Bei Tiefbaumaßnahmen ist für die Umsetzung eine Beteiligung des Rates nur erforderlich, wenn dies beantragt wird. Der Rat beschließt im Rahmen der Mittelbereitstellung“, erklärt Jörg Boltersdorf. Haushaltsmittel für den ersten Bauabschnitt seien im Etat für 2017 bereits angemeldet worden. Ob dieses Geld tatsächlich zur Verfügung steht, wird bei der Ratssitzung am 21. Dezember entschieden.
Die Mieter fühlen sich derweil vor den Kopf gestoßen. „Ein junger Mann ist erst vor drei Monaten eingezogen und hat jetzt, nachdem er sich häuslich eingerichtet hat, die Kündigung auf dem Tisch liegen. Zudem wurde in einem der Gebäude gerade erst ein neuer Heizkessel eingebaut und eine der Wohnungen komplett renoviert“, erzählt Elvira Rotha. Die wohnt zwar nicht an der Lohstätte, engagiert sich aber für die Bewohner der beiden Häuser. „Es ist mir unbegreiflich, warum in einer Stadt wie Kleve, in der bezahlbarer Wohnraum überaus knapp ist, ohne Not intakte Häuser abgerissen werden sollen“, kann sie nur mit dem Kopf schütteln. „Eine Stadt besteht aus Menschen und eine Stadt muss für ihre Bürger da sein. Stattdessen sorgt sie dafür, dass sie einer Straße weichen müssen.“ Zusammen mit Mietern der Wohnungen stellte sie einen offiziellen Bürgerantrag, der den Abriss der Häuser noch verhindern soll.

 

Text & Foto: Michael Terhoeven

Kommentare   

#1 juergen 30.10.2016 11:48
In einer Stadt wohnen Menschen? Nee, da wohnen nur Personen, also Rechtssubjekte. Die öffentliche Hand handelt nur mit Rechtssubjekten, nicht mit Menschen. In den Verwaltungen sitzen ebenso keine Menschen sondern nur Personen die wie Bioroboter alles abarbeiten was an Auftrag reinkommt. Personal der Verwaltung die ihren Auftrag erfüllen.
In dieser gemachten Welt regiert das Geld und für Wirtschaftlichkeit wird hier restlos alles geopfert. Was sich nicht rechnet muss weg. Wenn die Straße verändert ist wird dort mit Sicherheit ein neues Gebäude gebaut mit mehr Ertrag/Gewinnoptimierung = Zauberformel jeglicher Handlungen, jeglichen Handels. Handelsrecht.
Doch die Mieter sollten sich nicht grämen, denn ein eventl. Umzug in einen Neubau bringt eine Senkung der Nebenkosten/Verbrauchskosten oft mit sich, es sei denn das neue Domniziel hat einen Aufzug = erhöhte Nebenkosten. Diese Welt ist im Wandel, mit dem Zusammenbruch der Menschlichkeit und den einhergehenden produzierten Quahlen, wird unweigerlich eine Hinwendung zum Guten Stattfinden. Mal sehn wie lang es noch dauert. Hier wird wenigstens noch eine Kündigung ausgesprochen und etwas Zeit gegeben zum Umzug, in andern Ländern schmeißt Nato einfach Bomben aufs Volk.
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#2 ??? 31.10.2016 08:04
Traurig!!!

Wahlkampfthema 2015 zur "Kampfwahl"..............

"DER MENSCH IM MITTELPUNKT!".........

Alles vergessen?

2016 müssen Menschen "verschwinden"........bezahlba rer, intakter städtischer Wohnraum soll abgerissen werden, weil eine Straße mit Steuermitteln der Bürgerschaft, verlegt werden soll!
Dieses Geld kann besser verwendet werden!!!

Nein, dort werden nach Schreibtischplänen der Stadtverwaltung, die von den Bürgervertretern, den Ratsmitgliedern, noch nicht einmal zur Überdenkung und zum Beschluss kamen, keine neuen Wohnräume für Menschen geschaffen!

Man könnte davon ausgehen, dass diese Wohnhäuser mit Absicht, äußerlich nicht wohnlich aussehen.

Mit wenigen Mitteln könnte das geändert werden.

Wer weiß, wie es um den bezahlbaren Wohnungsmarkt in Kleve steht, versteht die Welt nicht mehr!
Betroffene Menschen, und das sind sehr viele in Kleve, wissen, dass es noch bezahlbaren Wohn- und Lebensraum in Kleve, so gut wie nicht mehr gibt!

Menschen werden im "Kampf" um Wohnraum gegeneinander ausgespielt.

Warum konnte die unmenschliche Arroganz Einzug halten?
Hat Kleve den sozialen Aspekt für die Menschen verloren???

Man kann nur hoffen und wünschen, dass diese intakten Wohnhäuser
stehen bleiben, und dort Menschen würdig leben können!!!

" DER MENSCH IM MITTELPUNKT!"
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#3 Steffen 14.11.2016 13:30
Wo liegt das Problem? Es steht jedem Eigentümer frei mit seinem Eigentum zu machen was er möchte und wenn eine Kommuen Eigentümer ist hat sie das Gesamt im Blick und nicht einzelne Objekte. Wenn dafür Häuser rückgebaut werden müssen ist das so...Bei der Kündigung von Wohnungen müssen halt auch Fristen eingehalten werden, da ist es nur legitim rechtzeitig die Kündigungen auszusprechen.
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#4 Annette 04.12.2016 17:09
Wo das Problem ist?

Ich bin eine der betroffenen Mieterinnen und somit seit 3 Monaten - erfolglos - auf Wohnungssuchen. Von der angebotenen Hilfe bei der Wohnungssuche war bis jetzt nicht viel zu spüren.
Alles was mir letzte Woche angeboten wurde, war eine "Wohnung" in der Märkischen Straße. Wer diese Straße kennt, weiß, dass dafür das Wort "adäquat" im Duden völlig neu definiert, oder am besten gleich komplett gestrichen werden müsste.

Auch der Vertreter der Stadt, Herr Horster / Gebäudemanagement, hat seine Hilfe angeboten. Auch da ist bis jetzt nichts geschehen.

Ich habe in den letzten Wochen bzw. Monaten nur Absagen kassiert, Anfragen wurden ignoriert und 2 Maklerbüros ( Arden und Elsmann ) haben mir deutlich zu verstehen gegeben, dass ich mit meinem Einkommen nicht als Bewerberin für sie in Frage komme.

Ich kann jedem nur wünschen, dass er niemals - unverschuldet !!!! - seine Wohnung verliert !!!
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#5 Elvira Rohra 04.12.2016 19:03
#4. Annette

Viele Menschen haben mich nach der Veröffentlichung des Artikels, immer wieder angesprochen.
Niemand versteht diese unmenschlichen Absichten der Stadtverwaltung, diese vollkommen intakten Wohnungen für Menschen, dem Erdboden gleich zu machen.
Auf meine Fragen, ob man auch gegen diesen Abriss unterschreiben würde, kamen immer wieder die Antworten zum Vorschein, prinzipiell ja, auf jeden Fall..........aber........dass das nicht so gut wäre, weil man keinen Ärger oder negative Reaktionen mit der Stadtverwaltung haben möchte!!!

Man weiß doch auch offiziell, dass in Kleve absoluter Notstand an bezahlbarem Wohnraum ist!
Deshalb ist es unverständlich, dass man intakten, renovierten Wohnraum wegen einer unnötigen "Straßenregulierung" einfach vernichten möchte.

Noch dazu müssten, nach meinen Informationen, die Kosten für diesen unnötigen Abriss und Straßenbau, die Steuerzahler in Kleve übernehmen.

Und nicht nur Maklerbüros geben Absagen, auch eine ortsansässige Baufirma, die Wohnungen zu vermieten hat, vermietet nicht an Menschen die nicht das richtige Einkommen haben!

Annette, ich hoffe sehr, dass die Häuser stehen bleiben, und Sie und noch andere Menschen dort in Ruhe leben können!

Die Politik in Kleve wurde schon informiert, wie die Situation tatsächlich ist!!!
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#6 Annette 04.12.2016 19:14
Nun lernen wir uns also über diese Plattform kennen .... Ich war leider nicht im Hause als die Unterschriftenaktion lief. Ausgerechnet. Ich hätte sehr gerne unterschrieben und das meiner Unternachbarin auch gesagt ....

Das Schlimme ist ja, dass die Neugestaltung schon seit Jahren im Gespräch sein und schon mal in der Zeitung gestanden haben muss.
Die Stadt hätte also mehr als ausreichend Zeit gehabt, für adäquaten Ersatz zu sorgen. Aber nichts ist geschehen.
Beim Gespräch mit dem Vermieter und dem VErtreter der Stadt wurde mir auf meine Frage, was denn passieren würde, wenn nach Ablauf der Frist jemand noch keine Whg. hat passieren würde gesagt: "Darüber haben wir uns ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht."
Es ist einfach nur erbärmlich wie diese ganze Geschichte gehandhabt wird!

Aber bei Ihnen möchte ich mich von ganzem Herzen für Ihren Einsatz bedanken.
Aber selbst wenn die Häuser stehen bleiben würde, würde ich alles versuchen, eine andere Whg. zu bekommen. Mein Vertrauen in "meine" Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin, ist weg.
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#7 Elvira Rohra 04.12.2016 21:09
#6. Annette

Ich kann Ihre Traurigkeit sehr gut verstehen!

Es ist eine Tragödie, wie man mit Menschen, die eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten, umgeht.

Leider war mir die geplante "Neugestaltung" in diesem Sinne nicht bekannt, da ja auch noch überhaupt kein Ratsbeschluss, der die wichtigen und notwendigen Lebensbedingungen und Lebensbedürfnisse der Bürgerschaft in Kleve vertritt, vorlag.

Selbst die Menschen in den Ratspositionen wurden einfach übergangen.

Ich habe im Nachhinein gehört, dass Sie sehr gerne unterschrieben hätten. Dafür danke ich Ihnen sehr!
Auch danke ich Ihnen sehr, für Ihre liebenswürdigen Worte........ das schafft wieder Mut und Zuversicht, dass sich alles zum Guten wendet!

Es gibt in Kleve aktuell sehr viele Menschen, die bezahlbaren Wohnraum brauchen und suchen.........und wenn man die Obdachlosenschicksale und -zahlen hört und liest, kann man absolut nicht verstehen, dass für eine "Verbesserung" einer Straßenführung, Menschen ihren wichtigen Lebensraum, ihr Rückzugsgebiet ungewollt verlassen müssen!

Ich wünschte, die vielen Menschen, die mich mit Unverständnis ansprachen, hätten gegen diesen unsinnigen Abriss unterschrieben.........diese Häuser würden ohne Hinterfragung, im Sinne des Bürgerwillen, stehen und bewohnt bleiben!!!
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#8 Annette 24.09.2017 02:33
Hallo Frau Rohra :-)
Nach längerer Zeit habe ich heute nochmal den Artikel gelesen ... Inzwischen wohne ich seit 7 Monaten in meiner neuen Whg, aber eingewöhnt habe ich mich noch lange nicht. Es ist und bleibt ein Unterschied, ob man umziehen möchte oder muss.
Augenscheinlich habe ich mich verbessert. Meine neue Whg ist zum gleichen Preis größer, ist ruhig und neueren Datums.
Aber ... Ich wünsche mir immer noch, dass jmd bei mir anschellt und sagt: Du hast es geschafft, du darfst zurück in deine alte Wohnung.

Was mir noch aufgefallen ist ... Baubeginn sollte doch diesen Monat sein ??? Zuschüsse ???
Auch wenn letzten Endes alle von uns untergekommen sind, es ist und bleibt eine Schande wie die ganze Geschichte abgelaufen ist.
Vor 2 Tagen habe ich im neuen Rathaus gestanden und habe auf einem Info-Schild "Gebäudemanagement" gelesen.
Ich schreibe besser nciht, was mir in diesem Moment durch den Kopf gegangen ist.
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#9 Elvira Rohra 27.09.2017 23:38
@8. Annette

Ich freue mich sehr darüber, dass Sie sich nochmals melden!

Über diese Situaton habe ich mir sehr viele Gedanken gemacht, und bin zu dem Schluss gekommen, dass man uns absolut nicht ernst genommen hat.

Es gab diesen letzten Sommer einige Menschen in Kleve, die dringend ein Dach über dem Kopf gebraucht hätten.....auch sie durften dort nicht wenigstens ein paar Wochen unterkommen.

Ja, es war eine Zeit und Situation, die unverständlich war und noch ist....

Annette, ich weiß, es ist sehr schwer, so eine gravierende Lebenssituation zu durchleben, aber ich hoffe sehr und wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie nun Zufriedenheit und Frieden finden können und werden!

Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Liebe und Gute!!!
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