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Emmerich/ Rees (2.11.2014). Am 24. und 25. Oktober verhandelte die Umweltministerkonferenz von Bund und Ländern in Heidelberg. Ein Thema war der Hochwasserschutz. Der ist eigentlich Ländersache. Es wurde aber beschlossen, dass der Bund für Schutzmaßnahmen 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung stellen wird. „Mit dem Geld werden 102 Projekte an fünf deutschen Flüssen finanziert“, sagte Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks dem Kurier am Sonntag bei ihrem Besuch in Emmerich.
Der Deichverband Bislich-Landesgrenze wird von dieser Finanzspritze allerdings nicht profitieren. „Wir sind nicht einmal danach gefragt worden, was es bei uns zu tun gibt“, erfuhren Deichgräf Herbert Scheers und Geschäftsführer Holger Friedrich erst durch den Kurier von dem in Heidelberg geschnürten Maßnahmenpaket. Dabei herrscht auf den letzten Deichkilometern bis zur holländischen Grenze reichlich Bedarf. „Bereits Ende der 80er Jahre wurde festgestellt, dass unsere Deiche nicht sicher sind. Die Hochwasser 1993 und 1995 haben die Notwendigkeit einer Sanierung noch einmal unterstrichen. Heute, fast 20 Jahre später, haben wir gerade einmal die Hälfte geschafft“, spricht Friedrich davon, dass reichlich Zeit vertrödelt wurde. Das größte Problem ist dabei nicht das fehlende Geld, sondern dass die Bezirksregierung mit der Bearbeitung der Bauanträge nicht nachkommt. Sämtliche Unterlagen liegen seit 1999 vor, wurden vom Deichverband zwischenzeitlich sogar auf den neuesten Stand gebracht. „Wenn man so viel Geld übrig hat, sollte damit zusätzliches Personal angestellt werden. Das würde uns wirklich weiterhelfen“, sagt Holger Friedrich. Er und Deichgräf Herbert Scheers befürchten, dass der Milliardenzuschuss des Bundes stattdessen in Maßnahmen fließt, die vielleicht hübsch aussehen, Naturschützer erfreuen aber ansonsten wenig bringen - wie der Bau eines Polders in Duisburg. Der steht laut Barbara Hendricks mit auf der Liste der zu fördernden Projekte. „Der effizienteste Hochwasserschutz ist die Deichsanierung - nicht mehr und nicht weniger“, kann Holger Friedrich da nur mit dem Kopf schütteln. Herbert Scheers: „Wenn der Deich hier bricht, ist es kein Gott gewollter Schlag, sondern vor allem eins: verfehlte Landespolitik.“+

 

Text & Foto: Michael Terhoeven

Kommentare   

#1 Peter Wanders 02.11.2014 08:50
Die schwachen deutschen Deiche am Niederrhein bedrohen mehr Niederländer als Deutsche. Sehen sie hierzu den Bericht im niederländischen Fernsehen mit Interviews der niederländischen und deutschen Deichgrafen.
nieuwsuur.nl/video/712565-zwakke-duitse-dijken-bedreigen-nederland.html
In diesem Bericht geht es um Deichbrüche in der Region Emmerich.

Auf der Klever Seite sind die Deiche ab Schleuse aufwärts aber nicht besser. Hier liegen die schwächsten Deichabschnitte in direkter Nähe zu den Klever Industriegebieten.
www.derwesten.de/.../kritik-an-nrw-land-tut-zu-wenig-fuer-hochwasserschutz-id9987887.html
Ein Deichbruch zwischen Xanten und Kleve hätte für die Niederlande zur Folge, dass die erste Flussgabelung bei Millingen mit der Wasserverteilung 2/3 Waal 1/3 Pannerdensch Kanal (Ijssel) in den Niederlanden umgangen wird.
Ein Deichbruch nahe Kleve hätte im Vergleich zur Emmericher Seite für die Niederlande durch Domino-Effekte ein Vielfaches an Schadenspotential und bedroht Millionen von Menschen. Dagegen sind die Folgen eines Deichbruches bei Emmerich mit geschätzt 35 Milliarden Schaden bis Zwolle in den Niederlanden mickrig.

Die Hochwasserproblematik ist für unsere Region aber noch erheblich komplexer, als nur die schwachen Deiche.
Ministerin Dr. Barbara Hendricks habe ich am Dienstag auf ihre Anfrage eine Zusammenfassung der verschiedenen Probleme geschickt.
Wer diese lesen möchte, kann mir gerne eine mail schicken.
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#2 Heinz Goertz 02.11.2014 11:54
Der Deich zwischen Emmericher Brücke und Griethausen sollte doch sinnvollerweise zurück genommen werden.
Die Grundstücksangelegenheiten waren unterschriftsreif geregelt.
Warum hat die Bezirksregierung davon Abstand genommen? Durch den jetzigen "Knick" im Deichverlauf, kommt es zu einer Engstelle, die einen höheren Wasserstand provoziert.
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#3 Peter Wanders 02.11.2014 14:21
Das in dem Filmdokument, welches ich im ersten Beitrag verlinkt habe, geschilderte Abfließen großer Wassermengen durch das Ijsseldelta nach Deichbrüchen in der Region Emmerich ist in den Niederlanden seit langem bekannt. In einer Antwort von Rijkswaterstaat an das NL-Finanzministerium stehen nicht veröffentliche Varianten von Notüberlaufgebieten und deren Nutzung auch ohne, dass diese eingerichtet sind.
Dass diese Polderopferungen Teil eines internationalen Katastrophenschutzplanes sind, können Sie an folgendem Absatz erkennen:
"Figuur 8: inzet Rijnstrangen zonder inlaat (worst case Usselvallei) Memo Systeemwerking RIZA voor het CPB. Schade ongeveer 20 miljard euro.
Dit scenario (cascade van Rijn en Ussel naar Usselvallei is reeds door ingenieur Lely beschreven. Bij het ontwerpen van de spuisluizen in de afsluitdijk is hiermee destijds rekening gehouden."

Man hat beim Bau der Entwässerungsschleusen des Ijsselmeeres in die Nordsee diese Schleusen auf Kapazitäten gebaut, dass sie nicht die normale Verteilung von einem Drittel eines Rheinhochwassers, sondern viel mehr auf die Nordsee ablassen können. Sollte der Rhein ein Extremhochwasser, wie Elbe, Donau oder Oder bekommen, lässt man zum Schutz der dichtbesiedelten Wirtschaftszentren der Niederlande einen Großteil des Wassers über das Ijsseldelta abfließen. Auch Emmerich bekommt dann nasse Füße. Bei Deichbrüchen oberhalb von Emmerich fließt das Wasser übrigens östlich am Eltener Berg vorbei in die Niederlande.
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#4 Dieter 10.05.2017 12:48
Ist das nicht alled ein bisschen Oberflächlich betrachtet? Wenn man mal nach Dijsseln guckt, sieht man dort sehr virl größere Probleme, dadurch, dass dort der Meeresspiegel als erstes steigt und schnell halb Niederlande unter Wasser steht.
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