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Von Michael Terhoeven

 Was hat die Klever CDU aus den jüngsten Wahldebakeln gelernt? Die Antwort ist ebenso einfach wie kurz: Nichts! Nach alter Väter Sitte agierten die Christdemokraten in der jüngsten Ratssitzung nach dem Dampfwalzen-Prinzip und überfuhren, gemeinsam mit der ihnen eng und gerne verbundenen Fraktion der Grünen, nicht nur sämtliche Ratskollegen, sondern auch die Verwaltung sowie die Elternvertretung und die Schulkonferenz der Sekundarschule. Diese beiden Gremien hatten sich dafür ausgesprochen, die Sekundarschule in eine Gesamtschule umzuwandeln. Ein Vorschlag, dem die Mehrheit im Rat sicher schien. Und dann das: Kurz vor Toresschluss legte die CDU den Antrag vor, die Sekundarschule zu schließen. Im Gegenzug soll zum Schuljahr 2017/18 eine neue Gesamtschule gegründet werden. Viele Ratsmitglieder und die Verwaltung wurden kalt erwischt. Auch die Schulleitung und die Gemeinde Bedburg-Hau, in der sich ein Teilstandort der Sekundarschule befindet, trafen diese neuen Pläne vollkommen unvorbereitet - anscheinend war im Vorfeld mit niemanden (außer den Grünen) über den plötzlichen Gesinnungswandel gesprochen worden. Bürgernah geht anders. Fair auch. Die CDU hat die Abstimmung zwar gewonnen, Applaus für diesen vermeintlichen „Erfolg“ hat sie jedoch nicht verdient.

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Von Olaf Plotke

476 junge Leute erhalten in diesem Jahr von der Arbeitsagentur spezielle Förderung, damit sie auf dem Ausbildungsmarkt überhaupt eine Chance haben (Artikel rechts). Fast 2,4 Millionen Euro lassen wir uns das kosten. Traurig, dass man so was überhaupt tun muss. Aber letztlich gut, dass man es macht. Vor allem für die jungen Leute, die so eine wichtige Chance bekommen, um ihre Defizite auszubügeln. Die reichen vom fehlenden Schulabschluss über zu schlechte Noten bis hin zu Problemen im sozialen Miteinander. Und einige müssen, man glaubt es kaum, erstmal das morgendliche Aufstehen lernen. Die Botschaft, die die Förderangebote der Arbeitsagentur aussenden lautet: „Wir geben Dich nicht auf! Du kannst es schaffen und wir helfen Dir dabei.“ Umso schockierender, wenn sich einige Jugendliche schon selbst aufgegeben haben. Denn eine erkleckliche Anzahl an Jugendlichen nimmt keine Fördermaßnahme an, z.B. mit der Begründung am Samstag keine Lust auf Unterricht zu haben. Lieber für den Rest des Lebens arbeitslos als eine Zeit lang mal am Samstag früher aufzustehen? Das macht mich nicht nur fassungslos - das macht mich echt wütend. Sie stehen am Anfang und sind schon am Ende. Und sie finden das noch nicht mal so schlimm, dass sie ihre Situation ändern wollen. Einigen geht es einfach zu gut.

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Von Olaf Plotke

Die Klever CDU kann aufatmen, denn sie hat endlich einen neuen Vorstand. Und mit Carina Cleven-Pawletko, Bastian Linsen und Josef Kanders ist zumindest die zweite Reihe ausschließlich mit jungen Leuten in den 30ern besetzt. Das ist gut für die Zukunft der Partei.
Beim Chef hat die CDU wie erwartet auf eine erfahrene Kraft gesetzt: den Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Gebing, dem nun erneute Ambitionen auf eine Bürgermeisterkandidatur 2020 nachgesagt werden. Eine Diskussion mit den Mitgliedern über die Niederlage bei der letzten Bürgermeisterwahl fand auf der Versammlung nicht statt. Vielleicht äußerten die Mitglieder ihren Unmut darüber im Abstimmungsverhalten. Er habe ein „ehrliches“ Ergebnis der Mitglieder erhalten, kommentierte der neue CDU-Chef seine Wahl. Wobei das Wort „ehrlich“ nur verschleiern soll, dass sein Ergebnis enttäuschend war. Knapp 80 Prozent Zustimmung für die derzeit wichtigste CDU-Persönlichkeit in der Klever Politik sind nicht dolle. Aber im Gegensatz zu Manfred Palmen kann Wolfgang Gebing beinahe noch zufrieden sein. Gerade mal 55 Prozent wählten den Ex-Landtagsabgeordneten zu einem der 10 Beisitzer im neuen Vorstand. Das schlechteste Ergebnis für den erfahrensten Kopf. Das ist bitter, bzw. ehrlich.

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Von Olaf Plotke

Die Diskussion um die Windkraft im Reichswald am Donnerstag (Artikel rechts) brachte mir die Erkenntnis, wie tief das Misstrauen gegen das demokratische System und seine Institutionen bei vielen Bürgern sitzt. Behauptungen wonach Politiker, Gutachten, Wissenschaftler allesamt korrupt und gekauft sind, wurden nicht mit Empörung, sondern mit Applaus bedacht. Sind wir wirklich auf diesem Niveau angekommen? Hat eine Diskussion dann überhaupt noch einen Sinn? Ganz vergebens war der Abend aber nicht. Projektbefürworter Stefan Blome entkräftete meiner Meinung nach ungewollt das gewichtigste Argument für die Windkraft im Reichswald: Bislang hieß es immer, ohne die Konzentrationszone im Wald wäre die freie Aufstellung von Windrädern in der Gemeinde nicht zu verhindern. Da hat man natürlich ein Bild von Dutzenden Windrädern in praktisch jedem Vorgarten Kranenburgs vor Augen. Weit gefehlt. Laut Blome kommen gerade mal  3 Standorte in der Gemeinde für insgesamt 7 Windräder infrage! Und dafür müsste nicht mal ein Baum gefällt werden. Damit ist für mich der letzte Zweifel beseitigt. Das Horrorszenario der Verspargelung Kranenburgs gibt es nicht. Vielleicht wäre es sinnvoll, über diese Fakten zu diskutieren, anstatt hinter allem, was einem nicht passt, eine Verschwörung zu wittern.

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Von Michael Terhoeven

Anfang November schlägt im Kampf um das Emmericher Neumarkt-Projekt der Gong zur nächsten Runde. Dann wird sich der Aufsichtsrat der Emmericher Baugenossenschaft  (EBG) mit dem von Investor Josef Schoofs und der Stadtverwaltung ausgearbeiteten Angebot (siehe Artikel auf Seite 3) beschäftigen. In diesem wurde nicht in allen, aber in den wesentlichen Punkten auf die Forderungen der EBG eingegangen. Bürgermeister Peter Hinze ließ ausrechnen, dass die zusätzlichen Maßnahmen für den Erhalt der strittigen 19 Quadratmeter umfassenden Grundstücksparzelle einen rechnerischen Gegenwert von 75.000 Euro hätten. In seinem Schreiben klingt das, als ob es sich um ein Angebot handelt, das man eigentlich nicht ausschlagen kann. Wenn er sich da mal nicht vertut. Bei diesem unsäglichen Endlos-Verfahren geht es nämlich längst nicht mehr nur um  Zahlen, Daten und Fakten. Die vielen Salti vorwärts, rückwärts und seitwärts des Investors aus Kevelaer haben bei Politikern und Bürgern nicht nur regelmäßig für Kopfschütteln bis hin zu Verärgerung geführt. Sie sorgen auch für ein ungutes Gefühl. Mit jeder Zusage gegenüber Schoofs stellt sich mittlerweile die Frage, mit welchen Überraschungen er wohl als nächstes um die Ecke kommt. Egal wie sich der BGE-Vorstand entscheidet: Es wird spannend bleiben...

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Von Michael Terhoeven

Da wurde wohl an der falschen Stelle gespart. Gerade einmal fünf Jahre ist es her, dass der Gocher Rat mit den Stimmen von CDU und Grünen die Leistungen für die Kindertagespflege zurückschraubte. Jetzt kommt es zur Kehrtwende (siehe Artikel rechts), weil sich das bewahrheitet hat, wovor Politiker der anderen Parteien und Tagesmütter bereits 2011 warnten: Aufgrund fehlender Anreize nimmt die Zahl der Tagespflegepersonen in Goch ab. Und das bei steigender Nachfrage. Zum einen wurde von Eltern inzwischen erkannt, dass die Tagespflege eine in der Regel flexiblere Alternative zu den Kindergartenplätzen im U3-Bereich ist. Zum anderen wollen/müssen immer mehr Eltern ihre Kinder in eine U3-Betreuung geben. Trotz aller baulichen Anstrengungen sind vor allem für unter Zweijährige entsprechende Plätze nach wie vor ausgesprochen rar. Es muss also (mal wieder) schnell reagiert werden. Und da kommen die ins Spiel, denen man vor fünf Jahren vor den Kopf stieß: Tagesmütter. Zum 1. Januar 2017 treten zu ihrem Gunsten neue Richtlinien in Kraft. Eine Charmeoffensive, die der Stadt Goch am Ende einiges sparen dürfte. Zwar wird zur Umsetzung der Pläne viel Geld in die Hand genommen, doch wäre die Alternative kostspieliger: der (Aus-)Bau mindestens einer weiteren Kita.